1982–1986
Der Abbruch der Liegenschaft Reitergasse ist angekündigt. Wie weiter? Beat hat
sein Studium der Nationalökonomie abgeschlossen. Entweder sucht er sich eine
neue Stelle oder der Chörnlilade expandiert in einem neuen Raum.
Tatsächlich wird ein neuer Raum gefunden, an der Fierzgasse 16. Christa und
Monika sind auch für den Umzug und möchten an einem neuen Ort in einem
professionell(er) geführten Laden mitmachen, in dem zum Beispiel nicht mehr
geraucht werden soll und dessen Öffnungszeiten verbindlich sind. Ulla zieht nicht
mit. Für sie hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Nicht nur das Gebäude ihres
Arbeitsplatzes wird abgerissen, sondern auch das ihrer WG. Ginette hat ebenfalls
andere Pläne, bleibt aber dem Chörnlilade bis auf weiteres als Aushilfe erhalten.
Aus dem Chörnlilade wird der Chornlade. Die Gründung der Genossenschaft
klappt erst beim dritten Anlauf am 30. August 1982: der offizielle Geburtstag
vom Chornlade. Zweimal wurden die Statuten abgelehnt, weil sie als zu wenig
handelsüblich galten. Einzelne KundInnen bleiben dem neuen Laden fern, weil er
ihnen zu modern erscheint. Das «alle machen alles» wird etwas modifiziert. Einzelne
Arbeiten werden zugeteilt und jedeR erhält ihren/seinen Zuständigkeitsbereich.
Der Umsatz steigt kontinuierlich, von anfänglich Fr.40›000 Jahresumsatz bis auf
Fr.1›270›000 im Rekordjahr 1990. Die Zusammensetzung des Teams veränder
sich. Claudia kommt 1983 dazu, Monika geht, Manuel tritt ein halbes Jahr später
an ihre Stelle und mit Annette wird das Team 1985 auf fünf erweitert und bleibt bis
1987 stabil. Manuel bringt frischen Wind mit queren Fragen, mit Zustimmung des
Teams führt er Wein und Waschmittel ins Sortiment ein.
Die Sitzungen, die gut strukturiert wöchentlich abgehalten werden, sind sehr
wichtig für die Arbeit des Kollektivs. Arbeitsabläufe werden durchgesprochen und
verbessert, neue Produkte, die einzelne abgeklärt haben, werden eingeführt oder
andere aus dem Sortiment rausgeschmissen. «Alle wissen alles», alle sind an allen
wichtigen Entscheidungen beteiligt - keine Hierarchien...
1987–1988
Das Team verändert sich weiterhin. Christa und Manuel gehen etwa zur gleichen
Zeit. Wechsel werden häufiger. Es werden Abgangsgelder ausgezahlt für diejenigen,
die den Laden in Gratisarbeit aufgebaut haben. Ginette und Ulla erhalten dabei
auch ihr Startkapital zurück - die Trennung von den Leuten der ersten Stunde ist
vollzogen. An die Stelle von Christa kommt Hanspeter. Er ist aus dem Bernbiet in
die Stadt gezogen und landet nach einem Jahr im Chornlade. Manuel›s Stelle wird
erst für einen Monat durch Sibylle eingenommen und dann durch Daniel. Das Team
entschliesst sich, zu sechst den Laden zu führen. Barbara kommt für ein Jahr an
diese Stelle.
In diesen Jahren wird der Laden umgebaut. Mit neu zwei Kassen und zwei
Bedienungstischen wird dem gestiegenen Umsatz Rechnung getragen. Ein zweiter
Kühler für die Milchprodukte kommt dazu. Der Laden wird mittlerweile professionell
geführt. Längst sind nicht mehr nur Leute der gleichen politischen Wellenlänge
KundInnen. Wer beispielsweise keine du-Anrede will, kriegt das Sie.
Das Sortiment verändert sich ständig. Der Chornlade soll auch ein Quartierladen
sein, es ist wichtig dass sämtliche Produkte für den täglichen Bedarf gekauft werden
können. Das für zwei Jahre stabile Team mit Beat, Claudia, Annette, Hanspeter und
Daniel ist leistungsfähig gut eingespielt. Manchmal schlagen emotionale Wellen
hoch. Doch es bleibt immer Zeit für persönliche Gespräche zwischendurch, so
dass alle bei allem mittragen und sich gegenseitig unterstützen.
1989–1991
Beat braucht eine neue Herausforderung. Annette verlässt ebenfalls im gleichen
Jahr das Team. Erika und Peter steigen neu ein. Die ruhigeren Jahre werden
durch wechselhaftere abgelöst. Die Einarbeitung von neuen Leuten ist immer eine
aufwendige Arbeit und braucht viel Energie und Zeit. Mit den weiterhin steigenden
Umsätzen wird immer mehr die Zeit und der Raum fürs Zwischenmenschliche im
Team verdrängt. Für viele neue Teammitglieder ist die Trennung zwischen Arbeitsplatz
Chornlade und Privatem sehr wichtig. In diesem Jahr wird disutiert, ob der Laden an
die Feldstrasse (Kreis 4) umziehen soll, wo ein Lokal frei geworden ist, dass besser
geeignet ist für einen Lebensmittelladen. Dagegen spricht, dass der Standort im
Kreis 5 bereits etabliert ist und der Laden ein Bestandteil des Quartierlebens
geworden ist. Es wird entschieden, dass ein Teil des Teams in den Kreis 4 umzieht.
Unter Zeitdruck drängt sich auf, dass Hanspeter, als einer der «Alten», und Mara und
Ruth, die seit kurzem im Team sind, den Laden übernehmen und das neue Kollektiv
Sassafras gründen. An die Fierzgasse kommen neue Mitglieder: Gabriela, Karin,
Rue. Die beiden ersteren bleiben nicht lange, sie werden ersetzt durch Veronika
und Markus.
1992
Erika verlässt das Team zugunsten neuer Projekte im Februar 1992. Überhaupt gibt
es viele Wechsel in diesem Jahr. Ursula hat nur ein halbes Jahr im Team gearbeitet,
Marianne ist sogar nach drei Monaten wieder ausgestiegen. Um mit diesen
Problemen besser umgehen zu können wird eine Supervision eingesetzt. Sonst ist
das Jahr vor allem vom 10 Jahre Genossenschaft Chornlade-Fäscht geprägt, dass
im GZ Heuried mit viel Musik und grossem Rahmenprogramm gefeiert wird. Es
erscheint auch eine tolle Zeitung mit vielen Berichten und Hintergrundinfos.
1993
Das Team besteht jetzt aus Marisa, Anja, Markus, Veronika, Daniel und Maya vom
Einsatzprogramm. Ein Thema dominiert das ganze Jahr: UMBAU! Im Mai wird ein
Raum zugemietet, welcher vorher einem Reisebüro diente. Dorthin wird das Büro
gezügelt, so dass im Laden beträchtlich mehr Platz zur Verfügung steht. Es hat auch
genug Platz im Büro für ein kleines Warenlager. Der Umbau ist auf Oktober 93 geplant.
Cony Kielkopf, Innenarchitekt,wird mit Gestaltung und Realsierung des Umbaus
beauftragt. Eine Finanzierungskampagne wirbt für neue GenossenschafterInnen,
Aufstockungen der Anteilsscheine, um Darlehen und Bürgschaften. Im August wird
eine ausserordentliche GV einberufen, um über den weiteren Verlauf zu informieren.
Trotz intensivstem Einsatz musste festgestellt werden, dass ein abgesicherter
Umbau im Oktober nicht realisierbar war. Es fehlten vor allem noch Bürgschaften.
So musste der Umbau auf den nächsten Frühling verschoben werden. Im Winter
wurde die Finanzierung schliesslich sicher gestellt.
1994
Im Verlauf der Wintermonate ist klar geworden, dass alle ausser Markus den Chornlade
im Frühling verlassen wollen. Es wird eine ehrenamtliche Personalkommission
eingesetzt: Ruth, Claudia, Fredi und Markus. Mit ihrer Hilfe werden Ruth,
Bea und Stefan als neue MitarbeiterInnen gefunden. Ab Frühling präsentiert sich der
Chornlade jeden Samstag am Limmatplatzmarkt. Mit dieser Präsenz soll der etwas
versteckte Chornlade bekannter werden. Nach dreineinhalb Wochen Umbauzeit
eröffnet schliesslich der modernisierte Chornlade Anfang Mai seine Türen. Den
KundInnen gefällt der Laden, und durch die strukturellen Ladenveränderungen
vereinfachen sich viele Arbeitsabläufe. Der Laden bleibt neu auch über den Mittag
geöffnet, was sehr geschätzt wird. Das Team hält aber trotz dem Umbauschub nicht
richtig zusammen. Ruth und Stefan Pente verlassen das Team Ende Jahr bzw. im
Januar.
1995
Hans und Stefan Wyler kommen neu ins Team und bringen viel Schwung mit. Mit
Debbi arbeitet wieder eine Praktikantin vom EP mit, was das Team auch etwas
entlastet. Das Sortiment wird aufgefrischt. Das Gemüse- und Früchtesortiment
kann dank einer Kühlvitrine in besserer Qualität angeboten werden. Der Letten
wird im Februar geschlossen, die schwierige Situation im Kreis 5 verbessert sich
massiv, zumindest vordergründig. Das alles wirkt sich auf den Jahresumsatz aus.
Zum ersten Mal seit längerer Zeit weist der Chornlade einen Gewinn aus.
1996
Stefan hört auf im Chornlade. Das Pendeln von St.Gallen(!) nach Zürich wird ihm
zuviel. Er wechselt zum Stadtlade St.Gallen. Markus verlässt ebenfalls das Team
im April und arbeitet nun in der Nest Pensionskasse. Er hat den Laden durch
eine schwierige Umbau und Umbruchzeit navigiert. Isa kommt neu ins Team und
bringt viel Farbe in den Laden, auch durch ihre Haare. Ebenfalls neu ist Danilo. Der
Marktstand wird nicht mehr aufgestellt, da sich der grosse Aufwand nicht zu lohnen
scheint. Auch ist es schwierig, Leute zu finden, die diesen je nach Wetter harten
Job machen möchten. Das Sortiment wird laufend verbessert und angepasst. Der
deutsche Grosshändler ‹Lebensbaum› wird boykottiert, da er die Zweifel an den
sozialen Bedingungen der Finca Irlanda (‹Irlanda Kaffe›) nie ausräumen konnte.
Die Grossverteiler steigen verstärkt in den Biomarkt ein. Umso wichtiger ist es,
eine persönliche und angenehme Einkaufsatmosphäre zu schaffen, zum Beispiel
mit Degustationen am Wochenende. Finanziell gesehen war 1996 wieder ein
erfolgreiches Jahr mit einem Gewinn und spürbar verbesserter Liquidität.
1997
Eine neue Werbebroschüre wird gedruckt, entworfen von Romano Kurach (Ro, wo
bist du?). Gleichzeitig wird das neue Logo eingeführt, welches die bisherigen Ähren
samt Wildwestschrift ablöst. Baudi kommt im Frühling neu für Danilo ins Team.
Bald darauf wird ein Computer fürs Büro gekauft. Am 21. Juni findet das 15 Jahre
Genossenschaft Chornlade-Fäscht statt, welches vor allem vom Vorstand (Claudia,
Fredi, Markus, Peter, Ruth und Veronika) organisiert wird. Ein Strassenfest mit viel
Musik im Kreis 5 kommt immer gut an, trotz nicht gerade optimalen Wetter ist die
Stimmung sehr gut. Die ersten gentechnisch veränderten Nahrungsmittel kommen auf
den Markt. Ausserdem macht der Rinderwahn und Antibiotikaresistenzen (Rohmilch)
Schlagzeilen. Viel Zeit wird in Abklärungen investiert, und Infos werden im Laden
platziert bzw. die KundInnen persönlich beraten und informiert. Der Laden verändert
sich laufend. Ein neues Gestell wird an der Säule beim Getreidegestell angebracht,
dort können wir Mühlen besser präsentieren. Ein alter Milchkühler verabschiedet
sich mit lautem Getöse, eine neue offene Milchvitrine wird angeschafft. Es gibt auch
wieder personelle Wechsel. Mitte Jahr kommt Simone, eine langjährige Aushilfe, als
5. Teamerin zu uns. Karin kommt im November zuerst als Praktikantin und löst dann
Isa ab, die es in die Ferne zieht. Im Vergleich zu 1996 geht der Umsatz leicht zurück,
das Bio-Business ist härter geworden. Eine neue Werbeoffensive bahnt sich an,
der Chornlade ist vielen Leuten immer noch unbekannt!
1998
Endlich: zwei neu gestaltete, wunderschöne Ladentafeln an der Lang- und
Limmatstrasse machen auf uns aufmerksam. Ende Jahr sind auch die neuen
Ladenschilder fertig, und ersetzen die bisherigen. Neu sind sie in der Nacht auch
beleuchtet, so dass man uns auch im Dunkeln besser findet. Im Laden fallen das
EC/Postcard-Gerät sowie das neue Dörrfrüchtegestell auf. Auch das Sortiment
wird erweitert: neu wird kontrolliert biologischens Freilandfleisch angeboten. Das
Weinsortiment wird überarbeitet und das Gestell mit vielen Infos neu gestaltet. Das
Werbebudget wird massiv überschritten, nebst Riff Raff-Kinowerbung und Inseraten
in der WoZ engagieren wir uns für den ‹Chola aktuell›-Newsletter, der jetzt alle drei
Monate erscheint. Im Team gibt es wie gewohnt Veränderungen: Simone hört im
Herbst auf und wird von Stephen abgelöst. Hans arbeitet bis Ende 98 im Chola,
danach wird das Team wieder auf vier Leute reduziert. Das Jahr war umsatzmässig
nicht sehr begeisternd, aber seit letztem Herbst geht es klar aufwärts. Viele neue
Leute entdecken unseren Laden.
1999
Bea verlässt den Chornlade Ende März nach vielen Jahren. Alexandra kommt neu
ins Team. Im Moment versuchen wir, die Wechsel zu verdauen und die Situation mit
dem neuen, jungen Team in den Griff zu bekommen. Andrerseits haben wir auch
viele neue Ideen, die wir verwirklichen wollen. Wir halten Ausschau nach einem
attraktiveren Ladenlokal, selbstverständlich im Kreis 5. Falls wir nichts finden,
möchten wir unseren aktuellen Standort noch attraktiver machen und die Vorteile
(ruhige Lage) besser ausnützen. Der Internetauftritt ist gerade erst fertig und ist
sicher noch ausbaufähig, mal sehen.
(c) Text 1978-1992: Veronika Schnetzer
Erstmals erschienen in der 10 Jahre Chola-Zitig. Hat uns viel Arbeit erspart
